15. April 2008. Es war ein diesiger Tag. Sofern es die Leute konnten, mieden sie es heute, nach draußen zu gehen. Ein paar mutige und unerschrockene Krieger konnten es dennoch nicht lassen, bei dem Sturm draußen zu im Kreis marschieren. Verwunderlich, wie wenig solche widrigen Umstände manchen einen interessierten. Oder waren sie einfach blind oder wollten sie einfach nicht vor dem Wetter kapitulieren? Nicht die weiße Fahne zeigen, wie es die Mehrheit an diesem regnerischen Tag tat? Selbst als erste Hagelkörner vom Himmel auf die Autos einschlugen, gingen sie weiter unerschüttert ihren Weg. Ihre Augen voller Entschlossenheit, ihre Gesichter verzerrt und monoton. Doch eine Person war anders. Sie fiel aus der Menge. Nicht die Tatsache, dass sie einen Regenschirm besaß und schneller als der Rest lief, als auch ihre knallrotgelbgestreifte Jacke hebten sie hervor, sondern ihre Aura. Im Gegensatz zum Rest lachte sie, obwohl offensichtlich war, dass ihr das Wetter beileibe nicht gefiel und sie es eilig hatte, Unterschlupf zu finden. Was war der Grund für diese offensichtliche Andersartigkeit? War sie verliebt? Wurde sie gerade befördert? War sie einfach nur so glücklich, dass selbst die widrigsten Umstände sie nicht davon abhalten konnten, weiter zu kämpfen und für den Moment zu leben, im Gegensatz zu dem Großteil der anwesenden Menschen, die nur darauf warteten, endlich trocken Boden zu betreten. Dann war sie auf einmal weg. Von einem Moment zum anderen verschwand sie vom Schlachtfeld. War sie voller Euphorie umgekommen?
Nach mehreren Stunden klärte das Wetter wieder auf und die Wolken, die zuvor den Himmel überschatteten, zogen von dannen. Die Gesichter entzerrten. Das Leben ging seinen gewohnten Gang weiter – so als wenn nichts gewesen wäre. Auch versammelten sich wieder Menschen um meinen zuvor gemiedenen Zeitungsstand, um sich mit der Feierabendlektüre einzudecken. Besonders harte Koste verkaufte sich zur meiner Überraschung besonders gut, wo sonst stattdessen vor allem die gelbe Klatschpresse gefragt war. Vielleicht waren die Leute endlich zur Gesinnung gekommen und hatten die Wahrheit hinter den gelben Seiten durchschaut. Oder war einfach die neue Welle von Gratisbeilagen ausschlaggebend für den Wandel? Nachdenklich schloss ich gegen 8 Uhr das Gitter des Standes und begab mich auf den Weg nach Hause.