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Monatsarchiv für Juni 2009
Vertigo
26. Juni 2009

Katzentheater

“Katzentheater” ist der erste Teil der Fortsetzungsgeschichte A mit dem Arbeitstitel “Vertigo”.
KatzeMan. Ist das laut. Kann nicht jemand die Lautstärke drosseln? Zumindest den Bass rausnehmen? Ich halte das nicht mehr aus. Dieses nervtötende Dröhnen. Gewöhnlich macht mir das nichts aus. Doch heute ist es zum ersten Mal schmerzhaft. Das hatte ich noch nie. Nie wäre übertrieben. Eigentlich die letzte Zeit öfters, aber nie so intensiv. Bemerkbar, aber erträglich. Heute ist es anders. Heute ist es so, als wenn eine neue Katze zu Besuch ist und ihre Grenzen testen will. Testen will, wie weit sie gehen kann. Fauchen, kratzen, Miauen. Regelrechtes Katzentheater eben. Doch bedauerlicherweise habe ich keine Katze, nur einen Kater, der in einem Kopf tobt – und das nicht zu wenig. Doch wenn ich eine hätte, würde ich sie mit einem schnellen, aber harten Tritt, und voller Genugtuung rausschmeißen. Verfluchtes Mistvieh! Hätte ich es gestern nicht so übertrieben. Vielleicht weniger getrunken? Weniger geraucht? Vielleicht weniger von allem. Weniger ist mehr. Letzte Woche war das noch anders. Letzte Woche waren viele Miezen noch nicht unmissverständlich gleich einem wilden Kater am nächsten Morgen. Das war beweisbar und unwiderruflich. Ich hatte es etliche Male durchgespielt. Am nächsten Morgen war ich wieder nahezu topfit und konnte weiter am Spiel des Lebens teilnehmen – als wenn nichts gewesen wäre. Hatte ich vielleicht zu hoch gepokert diesmal oder hatte sich eine Unbekannte in die Gleichung verirrt. Eine Unbekannte, die gar mir etwas Böses wollte? Vielleicht hat sie mir etwas in mein Glas getan, um mich auszuknocken? Mich K.O. zu schlagen? Das war’s? Ich hab den Großkotz raushängen lassen. Das weiß ich noch, oder? Eigentlich weiß ich nichts mehr von gestern Nacht. Aber egal, was es auch war und wieso. Es war und ist unerträglich.

A1 – Fortsetzung – “Die Stecknadel”

Gedichte
17. Juni 2009

Die süße Sünde

Sahne

Manchmal setzt sich es etwas ab
Erst wenig, dann immer mehr
Wird aus der Milch
Fast wie aus Zauberhand
Eine dickflüssige Maße
Eine Versuchung
Die langsam ins Leben unterhoben wird
Und es zuckersüß garniert
Es zu einem Geschmackserlebnis macht

Doch wird übertrieben
Ändert sich schlagartig die Wirkung
Was vorher erstsahnig war
Verpufft und liegt dann schwer
Belastend und völlernd auf einem
Der vorherige Genuss weicht dann einem Albtraum
Aus dem man schnellstmöglich wieder erwachen
Und wieder vergessen will

Irgendwann wacht man wieder auf
Und ist wieder frei
Doch auch falls man vergessen will
Bleibt von nun an ein bitterer Nachgeschmack
Bei jedem weiteren Verzehr
Der immer wieder an das Vorherige erinnern lässt
Und das Speisen unangenehm macht
Statt Gaumenfreude setzt sich Unbehagen an
Das schwer wieder runtergeht
Manchmal für immer verbleibt
Dick, doch nicht glücklich
Gesündigt – um welchen Preis?

Gedichte
8. Juni 2009

Bleistift

BleistiftSie
Scribbelt in ihr Notizbuch
Mit dem dunklen Rand
und dem Brandfleck
Zieht rote Linien
Kreuz und quer
Überall kreisend
Während sie an ihrem Bleistift knabbert
Ihn nicht mehr aus den Augen lässt

Sie
lässt sich nicht stören
ihre Gedanken sind fern
ihr Kopf kühl trotz der umgebenen Wärme
der pulsierenden Bewegung
wie an einem anderem Ort
einer Welt außerhalb des Zimmers
einer Welt fernab aller Gedanken
ihrer eigenen Welt

Doch irgendwann ernüchtert
der Rausch der Gedanken
und scheint unwirklich
wenn das Werkzeug entschwindet
und nur noch die Reste auf Papier bleiben
die schlussendlich aus lauter Frustration
unwiderruflich zerknüddelt
im Müll der Gedanken landen und
Die Reise ein jähes Ende findet