RegistrierenAnmeldenRSS-FeedTweetGoogle +
Monatsarchiv für April 2010
Vertigo
27. April 2010

Champion der Champignons

“Champion der Champignons” ist der vierte Teil der Fortsetzungsgeschichte A mit dem Arbeitstitel “Vertigo”.
Nebel

[Fortsetzung von Eine Pizza ist kein Leben]

Als wenn meine Gedanken mit dem des Pizzataxis verbunden sind und Fabio meine Ungeduld spüren könnte, klingt es gerade. Ich eile zur Tür und nehme mit Hochgenuss meine Pizza entgegen. Sie ist heiß, knusprig und lecker wie immer. Eine wahre Wonne eben, was ich mit Trinkgeld und einem Lächeln entgegne. Ich liebe sie einfach und meine nächsten Minuten sind gerettet. Aber was ist danach? Noch eine Pizza bestellen und dabei zusehen, wie man immer mehr aufquillt oder einfach gestehen, dass die ganze Krankengeschichte nur eine Notlüge war? Eine Notlüge, um nicht von allen wegen des gestrigen Abends und den damit verbundenen Konsequenzen verurteilt oder wenigstens mit Höhne ausgelacht zu werden. Vielleicht sollte ich es riskieren, um nicht der Last der Langweile zu erliegen? Und nach der Beichte einfach etwas unternehmen? Wie würde ich jetzt wieder liebend gerne die Geschichte umschreiben. Aber es ist hoffnungslos und ich sollte erstmal die Pizza essen, bevor sie kalt, wabbelig und ekelig schmeckt. Das geht schneller, als man denkt. Nicht nur bei Lebensmitteln, aber weiter auszuholen wäre jetzt zu mühselig und kontraproduktiv, vor allem wenn die Pizza so viel mehr Genuss verbreitet. Der Käse zerläuft richtig. Ich schneide ein Stück ab und es scheint, als wenn es das Stück nicht von den anderen getrennt werden möchte und der Käse die Stücke zusammenhält. Doch ich bin stärker und mit einem Haps hat das Stück den Kampf ums Überleben verloren und ich bin der Sieger. Wenigstens in diesem Kampf habe ich gewonnen, wenn ich schon alle anderen heute, gestern und die letzte Zeit verloren habe. Nichts weltbewegendes, aber überlebensnotwenig. Und nach 6 Runden bin ich endlich der alleinige Champion der Champignons, doch bin ich keinen Schritt weiter. Die letzten Minuten, gar Stunden waren vergeudete Zeit. Zeit, die ich hätte anders verbringen können, wenn ich doch nicht krank wäre, wenn ich ehrlicher oder wenn ich einfach hätte kochen können. Aber es ist nicht so und nun muss ich das Beste daraus machen.

Ich beschließe, nichts zu beschließen und die Entscheidung um weitere Minuten zu vertagen, damit etwas Abstand zu gewinnen. Stattdessen schalte ich den Fernseher an, schalte durch die Programme, bleibe bei Nichts und wieder Nichts hängen. Fange von vorne an und ende am Anfang. Minutenlang. Schließlich gebe ich frustriert auf und sehe mich im Zeitraffer dabei, wie ich mir meine Hose und Jacke anziehe, mich fertig mache. So, als wenn eine Übermacht Besitz von mir ergriffen hätte und mich zu andere Dingen verleiten würde, von denen ich selber bisher nichts weiß. Es ist regelrecht unheimlich, als ich die Tür öffne und die Wohnung darauf verlasse. Nach mehreren Schritten unten an die Straße zugelangen ohne zu wissen wieso und weshalb? Ich habe Angst, doch ich zittere nicht. Ich könnte fluchen, doch ich tu es nicht. Ich steige in den nächsten Bus. Der Motor dröhnt und die Tür schließt sich. Die Geschichte scheint eine Wendung genommen zu haben, doch ich traue mich nicht umzublättern und schließe meine Augen.

A4 – Fortsetzung – “Wiese und Nichtwissen”

Gedichte
20. April 2010

Gedankenstopp

StoppschilderDas Licht geht aus
Es Wird dunkel
Glühbirne durchgebrannt
Mit einem leisen Puffen
Mitten in der Nacht
Ohne Vorwarnung

Ein unfreiwilliger Stopp
Eine Vollbremsung
Von 100 auf 0
Innerhalb weniger Sekunden
Des Vehikels auf offener Gedankenstraße

Ein Notfall? Nein
Doch nicht wegen einer Lampe
Denn morgen wird es wieder hell
Und dann geht die Reise weiter
Ganz sicher

Gedichte
13. April 2010

Schluck

FlascheEinen Schluck noch
Ich bin noch durstig
Und die Flasche voll
Ich will nicht viel
Nur diesen einen Schluck
Nur diesen noch
Dann ist Schluss
Mehr wäre hinderlich
Der Verfassung wegen
Nicht, dass ich nicht wollte
Aber ich weiß es
Ich habe es bereits ausgekostet
Letzte Nacht
Deswegen genügt mir einer
Um mich zu verabschieden
Von diesem Abend
Und von dir

Mach es mir nicht so schwer
Schenk mir noch was ein
Nur etwas noch
Du bist es mir schuldig
Ich bin nicht betrunken
Ich bin nur verliebt
Doch irgendwann muss Schluss sein
Ehe ich vollkommen abhängig bin
Ich will es nicht
Doch ich kann nicht anders
Es schmeckt so lecker
Prosit

Gedichte
5. April 2010

Wortfall

BuchstabenWorte drehen sich im Kreis
Kehren zurück, dort wo es begann
Hinaus aus der Ferne in die Nähe

Sätze entstellen das Schöne
Buchstaben prasseln nieder
Bombardieren den ganzen Sinn

Irgendwann droht er ein zustürzen
Wenn Fundamente ins Wanken geraten,
Werden Sätze zum Zünglein an der Waage

Lange halten sie nicht stand
Ein Ungleichgewicht einerseits entsteht
Das ganze Konstrukt sackt in sich zusammen

Alles verschüttet, zerschüttet
Die Substanz liegt in Trümmern
Wiederaufbau, Neuanfang?
Oder gar endgültiges Ende?

Entscheidende Fragen –
Viel mehr schwierige Antworten
Vor allem wenn die Worte fehlen.