Champion der Champignons
“Champion der Champignons” ist der vierte Teil der Fortsetzungsgeschichte A mit dem Arbeitstitel “Vertigo”.

[Fortsetzung von Eine Pizza ist kein Leben]
Als wenn meine Gedanken mit dem des Pizzataxis verbunden sind und Fabio meine Ungeduld spüren könnte, klingt es gerade. Ich eile zur Tür und nehme mit Hochgenuss meine Pizza entgegen. Sie ist heiß, knusprig und lecker wie immer. Eine wahre Wonne eben, was ich mit Trinkgeld und einem Lächeln entgegne. Ich liebe sie einfach und meine nächsten Minuten sind gerettet. Aber was ist danach? Noch eine Pizza bestellen und dabei zusehen, wie man immer mehr aufquillt oder einfach gestehen, dass die ganze Krankengeschichte nur eine Notlüge war? Eine Notlüge, um nicht von allen wegen des gestrigen Abends und den damit verbundenen Konsequenzen verurteilt oder wenigstens mit Höhne ausgelacht zu werden. Vielleicht sollte ich es riskieren, um nicht der Last der Langweile zu erliegen? Und nach der Beichte einfach etwas unternehmen? Wie würde ich jetzt wieder liebend gerne die Geschichte umschreiben. Aber es ist hoffnungslos und ich sollte erstmal die Pizza essen, bevor sie kalt, wabbelig und ekelig schmeckt. Das geht schneller, als man denkt. Nicht nur bei Lebensmitteln, aber weiter auszuholen wäre jetzt zu mühselig und kontraproduktiv, vor allem wenn die Pizza so viel mehr Genuss verbreitet. Der Käse zerläuft richtig. Ich schneide ein Stück ab und es scheint, als wenn es das Stück nicht von den anderen getrennt werden möchte und der Käse die Stücke zusammenhält. Doch ich bin stärker und mit einem Haps hat das Stück den Kampf ums Überleben verloren und ich bin der Sieger. Wenigstens in diesem Kampf habe ich gewonnen, wenn ich schon alle anderen heute, gestern und die letzte Zeit verloren habe. Nichts weltbewegendes, aber überlebensnotwenig. Und nach 6 Runden bin ich endlich der alleinige Champion der Champignons, doch bin ich keinen Schritt weiter. Die letzten Minuten, gar Stunden waren vergeudete Zeit. Zeit, die ich hätte anders verbringen können, wenn ich doch nicht krank wäre, wenn ich ehrlicher oder wenn ich einfach hätte kochen können. Aber es ist nicht so und nun muss ich das Beste daraus machen.
Ich beschließe, nichts zu beschließen und die Entscheidung um weitere Minuten zu vertagen, damit etwas Abstand zu gewinnen. Stattdessen schalte ich den Fernseher an, schalte durch die Programme, bleibe bei Nichts und wieder Nichts hängen. Fange von vorne an und ende am Anfang. Minutenlang. Schließlich gebe ich frustriert auf und sehe mich im Zeitraffer dabei, wie ich mir meine Hose und Jacke anziehe, mich fertig mache. So, als wenn eine Übermacht Besitz von mir ergriffen hätte und mich zu andere Dingen verleiten würde, von denen ich selber bisher nichts weiß. Es ist regelrecht unheimlich, als ich die Tür öffne und die Wohnung darauf verlasse. Nach mehreren Schritten unten an die Straße zugelangen ohne zu wissen wieso und weshalb? Ich habe Angst, doch ich zittere nicht. Ich könnte fluchen, doch ich tu es nicht. Ich steige in den nächsten Bus. Der Motor dröhnt und die Tür schließt sich. Die Geschichte scheint eine Wendung genommen zu haben, doch ich traue mich nicht umzublättern und schließe meine Augen.
A4 – Fortsetzung – “Wiese und Nichtwissen”
- Teil 1: “Katzentheater”
- Teil 2: “Die Stecknadel”
- Teil 3: “Eine Pizza ist kein Leben”
- Teil 4: “Champion der Champignons”
- Teil 5: “Wiese und Nichtwissen”
- Teil 6: “Gedankenfresser”
Das Licht geht aus
Einen Schluck noch
Worte drehen sich im Kreis