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Monatsarchiv für August 2010
Geschichten
30. August 2010

Verdorbene Erdbeeren und aufgelöste Orange

Leerer KartonHeute habe ich mir vorgenommen, etwas aufzuräumen. Alte Geschichten ad acta zu legen und Platz für neues zu machen. Etwas Ordnung schaffen im Gedankenchaos, das sich im Laufe der Zeit im Kopf ausgebreitet hat. Viel Arbeit wartet auf mich, doch irgendwann muss es mal getan werden, ehe sich immer mehr anhäuft und somit das Trennen von sinnvollen und sinnlosen Erinnerungen zu einem einzelnen Kraftakt wird. Wirklich motiviert bin ich trotzdem oder dennoch nicht. Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Danach geht es eigentlich wie von selbst. Doch dazu muss erst einmal die ganze Maschinerie in Gang gesetzt werden. Die Initialzündung gesetzt werden. Es müssten die Umzugskartons gefalten werden. Dann sortiert werden. Oder erst sortiert und dann gefalten. Oder gar nicht gefalten und ein anderer Aufbewahrungsort gesucht werden. Kein großes Problem, aber unmotiviert eine fast unmögliche Tat. Besonders, wenn so viele andere spannendere Dinge warten. Aber ich habe es mir vorgenommen und deswegen werde ich es heute durchziehen. Das werde ich und wenn nicht, habe ich es zumindest versucht. Der Wille zählt ja auch einiges.

Aber wo soll ich anfangen? Es wartet ein ganzer Berg auf mich. Postkarten aus dem letzten Urlaub, die ganzen Fotos, alte Rechnungen, Geschenke, Erinnerungen. Die Rechnungen können glaube ich sicher entsorgt werden, da die Garantiezeit abgelaufen ist und sie keine Bedeutung mehr haben. Aber wie soll ich den Rest bewerten? Foto Was ist z.B.: mit dem Pizzakarton, der vor etlichen Jahren als origineller Geldcouvert herhalten musste oder mit der Konzertdvd von der Band Orange, die ich früher vergöttert habe. Letztens habe ich sie mir nach längerer Zeit wieder angeschaut und konnte kaum noch nachvollziehen, was ich an Orange gefunden habe. Alleine die Zugabe des Konzertes holt noch das Lächeln vergangener Tage hervor. Der Rest langweilt mich einfach nur noch und ist schon vielmals da gewesen. Aber Zeiten ändern sich bekanntlich und Zeiten ändern Leute. Auch wenn es manchmal schade ist, wenn man früheren Favoriten nichts mehr abgewinnen kann und nur noch müde belächeln kann. Wie soll es weitergehen? Fürs Wegwerfen ist sie gewiss zu schade, da ein Haufen Erinnerungen an den Sommer hängen, indem ich Orange zum ersten und letzten Mal gesehen habe. Danach haben sie sich getrennt und ich hab mich in das, was mir von ihnen geblieben, geflüchtet – in diese DVD. Ich war echt verzweifelt damals. Eigentlich lächerlich, wenn man bedenkt, dass es nur eine – nicht mal besonders gute – Band war. Ich glaube, ich werde sie behalten. Ein Relikt an zu vergessen drohende Tage. Ja.

Der Brief von Magdalene kann jedoch weg. Wir haben keinen Kontakt mehr und jedes Mal, wenn ich diesen Abschiedsbrief lese, kommt alles wieder hoch. Besser weg damit, endgültig abschließen und dann den Schlüssel an einen geheimen Ort verstecken. Seufz. Das ist der Nachteil beim Aufräumen. Es kommen auch immer niederschmetternde Erinnerungen ans Licht und wenn nur kurz. Foto2 Ich brauche eine Pause und etwas zum Essen für neue Energie. Ich hätte Appetit auf Erdbeeren. Das war ihr Lieblingsessen. Im Sommer manchmal ihre einzige Mahlzeit. Sie liebte Erdbeeren und ich liebte sie. Doch jetzt ist sie fort. Weggegangen. Eine Geschichte ohne Happy-End. Ich denke, es ist besser aufzuhören für Heute, bevor noch weitere Wunden aufgerissen werden. Morgen ist ja auch noch ein Tag und etwas Distanz tut ganz gut. Ich packe alle Sachen wieder zusammen ins Regal und schalte den Fernseher an. Wenn schon kein Happy-End in der Realität, dann zumindest hier, denke ich mir und schaue gebannt den Film.

w

Gedichte
23. August 2010

Was war, wird sein, ist?

LeiterWas war
Wenn alles vorbei ist
Wenn schöne Tage tagelang zurück liegen
Wenn Erinnerungen verblassen
War das dann alles?

Was wird sein
Wenn Wege neue Richtungen aufweisen
Wenn hierwärts zu dortwärts wird
Wenn nichts mehr zählt
Was vorher wertvoll war
War es dann zu spät?

Was ist denn nun?
Wie soll es weitergehen?
Weißt du das?
Wollen wir das nicht klären?
Willst du nicht mehr?
Weites Schweigen
Weiß keine Lösung
Was ist nur los?
Was nur….

Gedichte
16. August 2010

Seitenwechsel

LeiterIch blättere die Seite
Um das Kommende zu erfahren
Das, was lauert auf den Sprossen
Den Sprossen in den Himmel
Die von der Erde weit hinausreichen

Ich will alles wissen
Ich will hoch hinaus
Nicht in seichten Wässern verbleiben
Sondern den Duft der Weite riechen
Umdrehen kann ich später noch
Wenn mir in hohe Lagen schwindelig
Die Situation eskaliert
Ruhe wieder herrschen muss

Doch noch bin ich weit unten
Noch nicht viele Meter weit
Und begierig nach oben
Ich blättere, ich klettere
Mit jedem Sprosse
Mit jeder Seite
Steigt die Weite
Steigt die Spannung
Die mich weiter nach oben zieht

Wie ein Gedankenmagnet
Bald erreiche ich Höhen
Die ich mir vorher nie erträumt habe
Mich zittern lassen vor Anspannung
Ich trau mich kaum weiter einzutauchen
Was wird mich erwarten?
Nur noch wenige Augenblicke
Was wird passieren?
Ein Schuss

Jemand wurde angeschossen
Plötzlich tot
Ich kann mich nicht mehr halten
Die Leiter wird zur Rutschpartie
Ich falle nach unten
Und schließe das Buch