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Autoren Archiv
Gedichte
16. April 2012

Verspätung

SchienenEwig warte ich bereits
Zwei Stunden bereits
Vier Minuten schon
Endlose Sekunden
Kein Augenblick mehr

Du hast nur etwas Verspätung
Nur eine Betriebsstörung
Viel zu tun auf dem Weg zu mir
Ich soll noch warten
Gleich kommst du an

Menschen kommen
Menschen gehen
Menschen kommen
Und ich warte und warte
Du kommst nicht

Stunden vergehen
Augenblicke rasen vorbei
Dann ertönt eine Durchsage
Du fällst heute leider aus
Ich schließe die Schranke
Und verlasse den Bahnhof

Gedichte
9. April 2012

Frühlingseröffnung

FrühlingLaue Winde klirren
Durch die kahlen Regale
Welche Staub angesetzt haben
Im nächtlichen Schlaftrunk

Die Theken der Welt noch geschlossen
Emsige Lieferwagen brausen doch bereits heran
Mit neuen Waren für die Geschäfte
Für die nahende Eröffnung des Frühjahrs

Die ersten Kunden warten schon
Ungeduldig gestaut auf den Einlass
Mit leeren Magen auf die neuen Mahle
Auf neue leckere Köstlichkeiten

Dann geht es ganz schnell
Die Türen zur Natur öffnen sich
Und alle Wartenden strömen herein
Um im Frühlingswirrwar zu stöbern

Gedichte
2. April 2012

Muschel

MuschelDie Schale verhärtet
Zum festen Stein verklumpt
Fest in sich verzahnt
Undurchdringbar

Wassertropfen prallen ab
Klirren scheppernd zu Boden
Schmutz läuft zurück
Versandet häufend

Das Innere scheint sicher geschützt
Und öffnet sich nur auf beharrliche Anfrage
Wenn du einen Blick gewährst auf deinen Schatz
Den Schatz tief in dir drin

No One Night Kill
26. März 2012

Die rote Bluse – Ein Tagebucheintrag zu „No One Night Kill“

Bei “Die rote Bluse” handelt es sich um einen Tagebucheintrag der Protagonistin Bernadette, der Ereignisse, die vor dem ersten Teil der Fortsetzungsgeschichte D mit dem Arbeitstitel “No One Night Kill” passiert sind, beleuchtet.

Liebes Tagebuch, liebe Leser,

Bowlingkugelnich habe lange überlegt, ob ich dir schreiben soll. Ob ich dir erzählen soll, warum meine Bluse von Rotwein durchtränkt wurde. Wie es dazu gekommen ist? Erst dachte ich mir, dass es vielleicht langweilig ist. Wer ist nicht mal tollpatschig? Ich kenne kaum jemanden, der es nicht ist. Es kommt eher auf die Häufigkeit an. Manche sind es weniger, manche häufiger. Aber Tollpatschigkeit an sich ist kein einmaliges Charaktermerkmal. Also wieso erzähle ich davon? Ich erzähle es, damit du oder besser gesagt ihr mich besser versteht. Damit ihr einschätzen könnt, warum ich das und das mache. Damit ihr wisst, was ich in dem Moment gedacht habe und damit ihr euch besser in mich hinein versetzen könnt. Die Beschreibung, wie es dazu gekommen ist, ist also nur Mittel zum Zweck und nicht der Zweck oder gar das Ziel, die Intention, die ich hiermit verfolge. Ich glaube, dann würde das hier niemand lesen. Wieso auch? Wenn es lustig ist, vielleicht schon. Aber nicht jeder kann über sich selbst lachen. Meine beste Freundin kann das, mein Vater oder auch mein Chef. Aber ich nicht. Ich kann es nicht. Selbstironisch bin ich schon gar nicht. Mir ist alles eher unangenehm, was meine Person betrifft. Zumindest Störungen im alltäglichen Betriebsablauf, der sich Leben nennt. Dann werde ich manchmal ziemlich unsicher und kriege rote Wangen. Sozusagen ein Signal an meine Umwelt: Achtung – Peinlichkeitsalarm. In solchen Momenten würde ich am liebsten verschwinden. In den Boden versinken. Aber leider wurde so etwas noch nicht erfunden. Weswegen ich entweder warte bis meinen Wangen wieder eine normale Farbe annehmen oder ich einfach das Weite suche. Heißt also, dass ich einen ganz wichtigen Termin vergessen habe und deswegen ganz schnell weg muss. Ich denke, viele, die mich besser kennen, haben so etwas schon gedacht. Nicht wahr? Und für alle anderen. Nein, ich bin nicht zehnmal im Monat beim Arzt, bin in keinem Fanclub und habe schon gar nicht vergessen, den Napf meines Hundes zu füllen. Ich habe gar keinen Hund. Geschockt?

Ich hoffe nicht und wenn doch, Entschuldigung. Es tut mir leid. Aber was würdet ihr machen? Ach, ihr werdet ja nicht so schnell verlegen. Aber Manchmal hat mein Peinlichkeitsalarm aber auch etwas Praktisches. Manche lassen mich in Ruhe, weil sie sehen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das ist manchmal nützlich, andere wiederum bohren, fragen nach, was denn los sei. Ob mir etwas unangenehm sei? Ja ist es. Jetzt wisst ihr es. Fragt nicht mehr so scheinheilig und lasst mich ab sofort damit in Ruhe. Verstanden? Wenn nicht, dann werde ich wohl weiter rot werden, ihr werdet mich nerven, ich werde nichts sagen, weil ich mit anderen Gedanken beschäftigt bin. Manchmal ist es ziemlich nervig. Dass meine Wangen erröten. Dass ich dann nichts sagen kann. Ich hasse diese Momente. Einen Moment, wie letzten Freitag. Wir waren bowlen. Wir, das heißt Christina, meine beste Freundin, Jannes, ihr Freund, Kathrin, eine weitere Freundin und Paul. Ich bin nicht sonderlich gut darin. Ich bin nur mitgekommen, weil Paul und Jannes mal wieder bowlen wollten und ich kein Spielverderber sein wollte. Aber von mir aus hätten wir auch was anderes machen können. Aber gut. Der Abend fing ganz locker an. Jannes warf ein paar Strikes. Wie immer. Er räumt einfach alles ab. Vielleicht macht mir Bowlen deswegen auch keinen Spaß. Jannes gewinnt immer. Dagegen habe ich keine Chance. Aber der Abend war trotzdem schön. Wir haben viel gelacht, geflucht, getrunken, gegessen und Paul auch geraucht. Ich rauche selber nicht. Als die obligatorische Siegerehrung bevorstand und Jannes zum Sieger gekürt wurde, passierte mir etwas Peinliches. Ich habe nicht damit gerechnet. Als ich Jannes gratulieren wurde, fiel ich um. Einfach so oder auch nicht. Ich weiß es nicht. Mir wurde schwarz vor Augen. Das Licht ging aus. Ende. Wieso ich umkippte, war mir nicht ganz klar. War ich gestolpert oder wirkte der Alkohol? Weiter lesen »

Gedichte
19. März 2012

Überfallen

FingerabbruckIch schweige
Mein Mund verschlossen
Kaum mehr geöffnet
Verkanntet

Meine Gedanken demoliert
Die Konzentration gestohlen
Der Kopf leer geräumt
Vollkommen

Nichts mehr ist so wie vorher
Alltägliches ist anders
Unbestimmt und unerwartet
Seitdem es passiert ist

Seitdem ich überfallen wurde
Du mich entführt hast
Mir die Sinne beraubt hast
Und mein Herz gestohlen hast

Du Dieb