RegistrierenAnmeldenRSS-FeedTweetFacebookGoogle +
15 Lieblingsgedanken - alle schon gelesen?
No One Night Kill
28. Januar 2013

No One Night Kill #8

“No One Night Kill #8″ ist der sechste Teil der Fortsetzungsgeschichte D mit dem Arbeitstitel “No One Night Kill”.

[Fortsetzung von No One Night Kill #7]

Monitore„Wenn Antonio etwas will, kriegt er es auch. Kann auch keinen Moment warten. Guck mal, Bernadette! Da kommt der Kellner. Na ja, selbst schuld. “ kommentiere Raphael die Situation. Sein Tonfall ließ nicht verbergen, dass er Antonios überstürztes Handeln belächelte. „Na ihr beiden, kann ich euch noch etwas bringen? Noch mal dasselbe oder was ganz anderes? Der Cosmic Panther ist momentan unser Cocktail der Woche. Extra large zum Preis von einem Normalen. Kann ich euch nur empfehlen.“ Der Kellner wirkte im Vergleich zur ersten Begegnung sichtlich entspannter. Ob der auch was zur ‚Beruhigung‘ getrunken hatte, fragte sich Bernadette, verwarf dann aber schnell wieder den Gedanken. „Nein, danke. Wir kriegen schon. “ Aufs Bernadettes Lächeln zwinkerte der Kellner den Beiden zu und verabschiedete sich dann zum nächsten Tisch, an dem er das Prozedere wiederholte. „Wie oft sagt der wohl am Abend, in der Woche, das mit dem Angebot? Mit dem Cosmic Panther?“ fragte Bernadette Raphael, der daraufhin ratlos die Schulter zuckte. „Puh, Oft. Sehr oft. Du hast doch bemerkt, wie schnell und fehlerfrei der das runtergerattert hat. Aber ist ja eigentlich auch egal, oder?“

Raphael wirkte leicht abwesend, fast schon etwas nachdenklich. Anders als Antonio, der an der Theke zu tanzen begann, war er weniger aufgekratzt. Ob es am fehlenden Alkohol lag – Raphael hatte kaum von seinem Glas getrunken – oder ob er wirklich mit den Gedanken wo anders war, vermochte Bernadette nicht zu beurteilen. Sie kannte Antonio und Raphael doch schließlich erst seit heute Abend. Seit wenigen Augenblicken. Falsche voreilige Schlüsse waren hier fehl am Platz, befand sie, und so nutzte sie lieber die Gunst der Stunde, Raphael auszufragen, solange sie ungestört waren. „Wie lange kennt ihr euch eigentlich schon? Also du und Antonio. Lange, oder?“ „Also soo lange kennen wir uns noch nicht. Erst seit letztes Jahr August. Seitdem ich im Callcenter jobbe. Antonio arbeitet da schon länger. Glaube, der hat noch nie im Leben was anderes gemacht. Der war auch schon mal Mitarbeiter des Monats, weil er so viele DSL-Verträge abgeschlossen hat. Verdient dadurch auch nicht schlecht. Gibt ja Provisionen und Bonuszahlungen, wenn du ‘ne bestimmte Menge umsetzt. Na ja. Seitdem hängen wir miteinander ab. Ach und mach‘ dir nichts aus seinen Sprüchen. Der bellt zwar gerne, aber der beißt nicht. Der tut dir echt nichts. Ist so ‘ne Masche von ihm, um Frauen anzubaggern. Also keep cool. Alles ist in Ordnung.“ Dabei lachte Raphael wieder und ließ somit Bernadettes Gedanken, dass ihn irgendetwas beschäftigte, verfliegen. Doch sorgenfrei war sie immer noch nicht. Bernadette ging das Messer an Raphaels Gürtel nicht aus dem Kopf. Das Messer, das sie jedes Mal anblinzelte, wenn sie Sichtkontakt hatte. Das Messer, das zwischen einem gelungenen Abend und ihrem tödlichen Ende stand. Bernadette zitterte leicht, dann nahm sie ihren ganzen Mut zusammen, um die Frage zu stellen, die sie schon den ganzen Abend beschäftigte. „Warum hast du ein Messer bei dir?“

wird fortgesetzt

No One Night Kill
12. Dezember 2012

No One Night Kill #7

“No One Night Kill #7″ ist der sechste Teil der Fortsetzungsgeschichte D mit dem Arbeitstitel “No One Night Kill”.
Riesenrad

[Fortsetzung von No One Night Kill #6]

„Also gut, dann fang ich mal an. Meinen Namen kennt ihr ja schon. Wenn nicht, dann eben jetzt. Ich bin die Bernadette. Könnt mich auch Bernadette nennen. Ähm, ja“ Bernadette zögerte, blickte in die Luft, dann wieder zu Beiden, die schon ungeduldig auf ihren Vortrag warteten. „Was wollt ihr denn wissen? Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ach ja. Fangt doch erst einmal an. Man first oder so ähnlich.“ Bernadette griff erneut zu ihrem Glas. Es hatte durch das häufige Ansätzen bereits viel von seiner Imposanz verloren und war zu einem kleinen Teich geschrumpft. Der Alkohol schien Bernadettes Fesseln der Schüchternheit und Ehrfurcht zu lösen, auch ihre Zweifel begannen sich zu verflüssigen. Sie zweifelte. Wie lange würde sie noch Frau über ihre Gedanken sein? Wie lange würde es noch dauern bis sie Antonios und Raphaels Charme komplett nachgeben musste. Bernadette schluckte. Der Red Death strömte ihre Kehle entlang und legte sich wie ein dünner Dunst über ihre Gedanken. Was vorher relativ klar schien, verschwand immer mehr unter einem drückenden Schleier. Einem Schleier, der mit jedem Ansetzen größer wurde und immer weniger Zweifel durchkommen ließ. Ein Schleier, der jedoch auch die lähmenden Gedanken abhielt und der Sonne in Bernadettes Gesicht freie Sicht ließ. Bernadette lächelte. „‘Ladies first‘ heißt das doch eigentlich, oder? Ich will ja nicht so sein. Also, hmm, ok. Ich bin ein Sommerkind. Im Juli werde ich 22 Jahre alt. Ich warte noch auf einen Studienplatz. Ähm, ok, Ich würde gerne Erziehungswissenschaften studieren. Mehr müsst ihr selbst noch rausfinden. Komm mir sonst noch vor, wie bei ‘nem Verhör. Und so wäre ja auch langweilig. Nicht wahr, Herr Kommissar?“ Antonio und Raphael lachten. „Am Ende müssen wir dich dann noch verhaften und abführen. Schuldig im Namen der Anklage. Wir können dich dann ja nicht einfach laufen lassen.“ „Dann kommst du hier nicht mehr raus“ unterbrach Antonio Raphael und musterte Bernadette erneut prüfend. „Ihr Glas ist leer. Meins auch fast. Raphael, du musst dich ranhalten. Du Schnecke. Wir bestellen jetzt Nachschub.“ Antonio schnipste wild mit seiner linken Hand. Doch als er bemerkte, dass der Kellner darauf nicht reagierte, stand er sprungartig auf und ging zielstrebig zur Theke.

Fortsetzung

No One Night Kill
26. November 2012

Sneak Preview

Bei “Sneak Preview” handelt es sich um eine Geschichte, die vor den Ereignissen der Fortsetzungsgeschichte D mit dem Arbeitstitel “No One Night Kill”spielt

PopcornDie Luft war dampfend und perlend. Die Farbe der Wände tropfte herab und sammelte sich am Boden, der durch die dunkelblaue Farbe und den strömenden Schweiß der anwesenden Menschen fortwährend verfleckte und damit seine ursprüngliche rote Farbe verlor. Das Kino glich immer mehr einer finnischen Sauna, denn dem was es war. Mit jeder Minute stieg die Temperatur an. Mit jeder Minute kam mehr heiße Luft aus der Lüftungsanlage und blies den Zuschauern, welche müheselig im Dunst aus schummrigen Licht und tropischer Hitze ihren Platz suchten, ins Gesicht. Die Leute stöhnten. Manche Leute brechen auf den Weg zu ihrem Platz wie ein fallender Krieger zusammen, andere legten beinahe einen Striptease hin, um nicht an der Hitze zugrunde zu gehen. „Kann niemand mal die Klimaanlage anschalten?“ schallte es wahlweise von unten links, rechts Mitte oder der Terrasse in den Kinosaal. Die Leute konnten nicht mehr, doch niemand reagierte. „Die wollen bestimmt den Eisumsatz ankurbeln“ tuschelte Paul, während er sich an dem Strohhalm seiner Cola klammerte, um wenigstens etwas erfrischt zu werden. Dann ging das Licht komplett aus und der Vorhang lichtete sich. Die Werbung begann. Eiswerbung. Getränkewerbung. Werbung für eine Reise in die Türkei. Werbung für den neuen Weißen Hai in 3D. Werbung für Wasserpistolen. Werbung für Eis.

Dann fing der Film endlich an. Bernadette und Paul schauten gebannt zur Leinwand, während sich ihre Körper verflüssigten und im Meer der Wärme eins wurden. „Hoffe der Film wird wenigstens gut. Sonst krieg ich die Krätze“ raunte Paul während er seinen Arm um Bernadette legte und sie sich ganz nah an schmiegte. „Sonst haben wir uns ja noch, Schatz. Mit dir ist mir alles egal“ versuchte sie ihn zu beschwichtigen. Doch Paul ließ nicht locker. „Wenn der Film noch schlecht ist, will ich mein Geld zurück. Irgendwann reicht es. Letztes Mal stimmte was nicht mit der Anlage und der Ton knisterte. Heute das. Wir zahlen so viel Geld. Da erwarte ich etwas mehr Qualität.“ „Beruhig dich doch und genieß den Film. Den Abend. Wenn du jetzt lieb bist, kriegst du später noch eine Überraschung. Eine ganz tolle.“ Bernadette nahm seine Hand und streichelte sie ganz sanft. „Nun, komm schon oder muss ich dich erst küssen, damit du ruhig bist?“ Bernadette lachte, doch Paul verzog keine Miene, sondern klapperte weiter an dem wuchtigen Stoffsessel, der durch den Schweiß schon leicht aufgeweicht war. „Ich bin auf die Überraschung gespannt“ sagte Paul, als er sich zu Bernadette drehte und er sie dann zärtlich küsste. Die Gedanken beide geleiteten hinweg vom schwülstigen Kino hinfort in frische Höhen. Die Minuten verstrichen wie Butter auf Brot. Der vorherige Ärger weichte auf und hinterließ nur ein sanftes Glücksgefühl. Erst als ein lauter Schrei und dann ein knallender Schuss durch den Saal ertönte, ließen beide wieder voneinander und richteten ihre Blicke wieder auf die Leinwand, auf der eine Frau gerade in ihrem Blut zu Boden sank. „Ich hab Angst.“ entgegnete Bernadette, die sich noch näher an Paul ankuschelte. „Ist doch nur ein Film. Du brauchst keine Angst haben.“ versuchte er sie zu beruhigen. Doch im selben Moment knallte Jennifers Freund in einem lärmenden Brei aus verzerrten Gitarren und einem Stroboskopgewitter auf seine Freundin. Bernadette zuckte in sich zusammen. „Nur ist gut.“

No One Night Kill
12. November 2012

No One Night Kill #6

“No One Night Kill #6″ ist der sechste Teil der Fortsetzungsgeschichte D mit dem Arbeitstitel “No One Night Kill”.
New York

[Fortsetzung von No One Night Kill #5]

Bernadette zögerte. Zu groß war ihr Respekt vor dem roten Cocktailturm mit den Kirschantennen. Zu schön empfand sie das Lichtspiel. Und eigentlich war es viel zu viel für sie. Das große Glas. Das Glas der unbekannten Flüssigkeit. Was würde sie erwarten? Bernadette wusste es nicht. Aber einen Schluck zu probieren konnte ja nicht schaden. Betrunken würde sie davon ganz gewiss nicht und dann wären die Beiden auch zufrieden, würden Ruhe geben. Dann nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und setzte an den Strohhalmen an. In dem Moment kam es ihr vor, als wenn sie sich nicht mehr auf dem Stuhl gegenüber von Antonio und Raphael säße, sondern sie wirklich von einem Wolkenkratzer ehrfürchtig auf den tiefen Boden, den Boden des Glases, blicke würde. Und alles unten in weiter Ferne liegen würde. Unwirklich wie Spielzeugfiguren. Je mehr sie nachdachte, je mehr sie ins Glas schaute, desto größer wurden ihre Zweifel, ob sie den Red Death wirklich bezwingen würde. Doch sie sollte kein Angsthase sein. Wollte den Abend nicht verderben. Nicht jetzt, nicht heute. Sie drückte die Lippen aneinander und zog an den Halmen. Der blutige Cocktail spritzte direkt durch die zwei Adern in ihren Mund. Ein Hauch von Kirsche durchspülte ihren Rachen, dann wich der Kirschengeschmack einer feinen Zitrusnote, ehe ihr Hals leicht brannte und Bernadette den Blutstrom wieder abbremste. „Und? Wie schmeckt es dir?“ wollte Raphael direkt wissen. Antonio, der unterdessen eine Mail auf seinem Handy beantwortete, nahm keine Notiz von Bernadettes Bezwingen des Turmes. Erst als Raphael Bernadette zum zweiten Mal nach ihrer Meinung fragte, erwachte er aus seiner scheinbaren Lethargie. „Sprachlos?“ fragte Raphael Bernadette. Antonio musterte ihr Glas, dann ging sein Blick zu Bernadette. „Guck‘ mal an. Ist einiges weggegangen. Scheint ihr zu schmecken. Nicht wahr, mein Engel? Ist ‘ne Bombe der Drink oder?“. Bernadette nickte. „Joar, schmeckt lecker, aber ist viel Alkohol drin. Mir etwas zu viel, aber sonst ist der lecker. Ja. Danke. Also wenn ich gleich Unsinn reden sollte, wisst ihr Bescheid.“ Bernadette lächelte, dann nahm sie wieder einen Zug. „Kein Problem. Antonio und ich sind ja da und helfen dir, falls es gar nicht mehr geht. Aber das wollen wir ja nicht hoffen, dass der dich so umhaut.“ Antonio lachte. „Ach was, wird er nicht. Und wenn, warst du einfach zu schwach und nicht er zu stark, mein Engel. Erzählst du uns jetzt was von dir? Wir platzen gleich vor Neugier und du willst ja nicht, dass es eine Riesensauerei gibt.“

Fortsetzung