No One Night Kill #8
“No One Night Kill #8″ ist der sechste Teil der Fortsetzungsgeschichte D mit dem Arbeitstitel “No One Night Kill”.
[Fortsetzung von No One Night Kill #7]
„Wenn Antonio etwas will, kriegt er es auch. Kann auch keinen Moment warten. Guck mal, Bernadette! Da kommt der Kellner. Na ja, selbst schuld. “ kommentiere Raphael die Situation. Sein Tonfall ließ nicht verbergen, dass er Antonios überstürztes Handeln belächelte. „Na ihr beiden, kann ich euch noch etwas bringen? Noch mal dasselbe oder was ganz anderes? Der Cosmic Panther ist momentan unser Cocktail der Woche. Extra large zum Preis von einem Normalen. Kann ich euch nur empfehlen.“ Der Kellner wirkte im Vergleich zur ersten Begegnung sichtlich entspannter. Ob der auch was zur ‚Beruhigung‘ getrunken hatte, fragte sich Bernadette, verwarf dann aber schnell wieder den Gedanken. „Nein, danke. Wir kriegen schon. “ Aufs Bernadettes Lächeln zwinkerte der Kellner den Beiden zu und verabschiedete sich dann zum nächsten Tisch, an dem er das Prozedere wiederholte. „Wie oft sagt der wohl am Abend, in der Woche, das mit dem Angebot? Mit dem Cosmic Panther?“ fragte Bernadette Raphael, der daraufhin ratlos die Schulter zuckte. „Puh, Oft. Sehr oft. Du hast doch bemerkt, wie schnell und fehlerfrei der das runtergerattert hat. Aber ist ja eigentlich auch egal, oder?“
Raphael wirkte leicht abwesend, fast schon etwas nachdenklich. Anders als Antonio, der an der Theke zu tanzen begann, war er weniger aufgekratzt. Ob es am fehlenden Alkohol lag – Raphael hatte kaum von seinem Glas getrunken – oder ob er wirklich mit den Gedanken wo anders war, vermochte Bernadette nicht zu beurteilen. Sie kannte Antonio und Raphael doch schließlich erst seit heute Abend. Seit wenigen Augenblicken. Falsche voreilige Schlüsse waren hier fehl am Platz, befand sie, und so nutzte sie lieber die Gunst der Stunde, Raphael auszufragen, solange sie ungestört waren. „Wie lange kennt ihr euch eigentlich schon? Also du und Antonio. Lange, oder?“ „Also soo lange kennen wir uns noch nicht. Erst seit letztes Jahr August. Seitdem ich im Callcenter jobbe. Antonio arbeitet da schon länger. Glaube, der hat noch nie im Leben was anderes gemacht. Der war auch schon mal Mitarbeiter des Monats, weil er so viele DSL-Verträge abgeschlossen hat. Verdient dadurch auch nicht schlecht. Gibt ja Provisionen und Bonuszahlungen, wenn du ‘ne bestimmte Menge umsetzt. Na ja. Seitdem hängen wir miteinander ab. Ach und mach‘ dir nichts aus seinen Sprüchen. Der bellt zwar gerne, aber der beißt nicht. Der tut dir echt nichts. Ist so ‘ne Masche von ihm, um Frauen anzubaggern. Also keep cool. Alles ist in Ordnung.“ Dabei lachte Raphael wieder und ließ somit Bernadettes Gedanken, dass ihn irgendetwas beschäftigte, verfliegen. Doch sorgenfrei war sie immer noch nicht. Bernadette ging das Messer an Raphaels Gürtel nicht aus dem Kopf. Das Messer, das sie jedes Mal anblinzelte, wenn sie Sichtkontakt hatte. Das Messer, das zwischen einem gelungenen Abend und ihrem tödlichen Ende stand. Bernadette zitterte leicht, dann nahm sie ihren ganzen Mut zusammen, um die Frage zu stellen, die sie schon den ganzen Abend beschäftigte. „Warum hast du ein Messer bei dir?“
wird fortgesetzt

Die Luft war dampfend und perlend. Die Farbe der Wände tropfte herab und sammelte sich am Boden, der durch die dunkelblaue Farbe und den strömenden Schweiß der anwesenden Menschen fortwährend verfleckte und damit seine ursprüngliche rote Farbe verlor. Das Kino glich immer mehr einer finnischen Sauna, denn dem was es war. Mit jeder Minute stieg die Temperatur an. Mit jeder Minute kam mehr heiße Luft aus der Lüftungsanlage und blies den Zuschauern, welche müheselig im Dunst aus schummrigen Licht und tropischer Hitze ihren Platz suchten, ins Gesicht. Die Leute stöhnten. Manche Leute brechen auf den Weg zu ihrem Platz wie ein fallender Krieger zusammen, andere legten beinahe einen Striptease hin, um nicht an der Hitze zugrunde zu gehen. „Kann niemand mal die Klimaanlage anschalten?“ schallte es wahlweise von unten links, rechts Mitte oder der Terrasse in den Kinosaal. Die Leute konnten nicht mehr, doch niemand reagierte. „Die wollen bestimmt den Eisumsatz ankurbeln“ tuschelte Paul, während er sich an dem Strohhalm seiner Cola klammerte, um wenigstens etwas erfrischt zu werden. Dann ging das Licht komplett aus und der Vorhang lichtete sich. Die Werbung begann. Eiswerbung. Getränkewerbung. Werbung für eine Reise in die Türkei. Werbung für den neuen Weißen Hai in 3D. Werbung für Wasserpistolen. Werbung für Eis. 
