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Dezember
Vertigo
26. Dezember 2011

Gedankenfresser

“Gedankenfresser” ist der sechste Teil der Fortsetzungsgeschichte A mit dem Arbeitstitel “Vertigo”.
Straße
[Fortsetzung von Wiese und Nichtwissen]

3 Minuten waren erst vergangen, die ihm jedoch wie eine kleine Ewigkeit vorkamen. Wie die 2 Stunden, die er verloren hatte. Stunden, die für immer ausradiert schienen. Er wusste nicht weiter. Was würde beim nächsten Blackout passieren? Er hielt inne, dachte an den letzten Abend zurück, die letzten Stunden, an das, woran er sich noch erinnern konnte. An die hellen Momente an diesem schwarzen Tag. Einem Tag, an dem die Sonne wollig hoch schien. Einem Tag, den der Großteil der Menschheit genoss – den auch er genießen würde, wenn er sich nicht in dieser misslichen Lage befände. Wilde Theorien über die vergangene Zeit kamen ihn in den Sinne und stellten ein Best – Of seiner letzten gesehenen Science– Fiction – und Horrorfilme dar. Wurde er von Außerirdischen entführt? Hat eine fremde Macht Besitz über ihn ergriffen? Dazu würde passen, dass er sich fremdartig fühlte. Alle Gedanken, die er dachte und Bewegungen, die er ausübte, kamen ihn fremdgesteuert vor. Nur, wenn ihm wirklich so etwas wiederfahren wäre, hätten seine Entführer sicherlich sauberer gearbeitet und nicht so stümperhaft, dass ihm solche Zweifel kämen. Sie hätten es so arrangiert, dass sich die ganzen Erlebnisse alltäglich anfühlen und nicht besonders. So, wie die letzten Stunden vor seinem Blackout. Er zweifelte. Hatte er vielleicht doch Recht mit seiner absurden Theorie? Und vielleicht hatten sie – seine Entführer – einfach einen kleinen Fehler bei seiner Neuprogrammierung gemacht und diese schlägt nun voll durch. Ein Fehler in der Matrix sozusagen. Aber wieso hatten sie gerade ihn auserwählt? Er war nicht besonders. Er hatte keinen tollen Job. Keinen Einfluss. Würden Außerirdische, Maschinen oder höhere Mächte nicht eher Jemanden auswählen, mit denen sie schnell Erfolg bei ihrer Invasion erreichen könnten? Oder hatten sie ihn einfach auserwählt, weil es nicht auffallen würde? Bei einem Wirtschaftsmogul oder Politiker wären sie vielleicht direkt aufgeflogen – vor allem bei so einer stümperhaften Durchführung?

Er hatte es. Vielleicht war er einfach nur der Versuchsballon? Der jetzt geplatzt war – wie das geplante Frühstück seiner Freunde. Nun war er vielleicht nutzlos geworden und wurde deswegen auf dieser Wiese wieder abgeladen, den eigenen Gedanken wieder überlassen. Vielleicht ist auch einfach nur die Verbindung zum Sendemast unterbrochen, der ihn über Funkwellen mit Informationen versorgt und so den Schein der Selbstbestimmtheit aufrecht erhält. Sein Handy hatte schließlich auch keinen Empfang. Vielleicht war er auch einfach in ein Funkloch gekommen? Er wusste es nicht. Eigentlich wusste er gar nichts. Eine plausible Antwort hatte er nicht. Stattdessen kamen ihm nur wilde Fantasien in den Kopf. Absurde Geschichten. Abnormale Erklärungen. Aber was war heute schon normal? Wenigstens fühlte sich das Gras normal an, dachte er sich, als er das Gras, welches er die letzten Augenblicke durch seine Finger gleiten ließ, verzweifelt zu Boden warf.

Bin ich vielleicht verrückt geworden? Aber wieso gerade ich? Wieso nur? Müsste ich dann nicht ausgefallenere Visionen haben? Von fliegenden Elefanten zum Beispiel? Und nicht so etwas recht langweiliges. Ich weiß keine Antwort darauf. Wer sollte mir auch schon helfen können? Gerade jetzt. Ich kann niemanden anrufen. Was soll ich tun? Darauf warten, dass ein Auto mich mit nimmt? Mit nach Hause? Mit auf einen Lösungsweg für dieses Dilemma? Eine Alternative scheint es wohl nicht zu geben – zumindest zurzeit. Ich schreite zur Straße und warte darauf, dass mich ein Auto mit nimmt. Nach wenigen Minuten werde ich erhört. Ein älteres Ehepaar erbarmt sich und hält an. „Wohin müssen sie?“ fragen sie mich und ich entgegne ihnen, dass ich in die nächste größere Stadt möchte. Weg von diesem Ort. Weg von dieser Wiese des Nichtwissens. Ich möchte wieder ein Champion werden und das wird der erste Schritt zum Sieg. „Wir können Sie aber nur bis Bad Salzberg mitnehmen.“ antworten sie mir. Doch dies ist mir gerade vollkommenen egal, da ich einfach hier fort möchte. Gedanken versunken fahren wir mit 70 Stundenkilometer fort von der Wiese. Fort in Richtung Heimat.

wird fortgesetzt

Gedichte
19. Dezember 2011

Album

FilmstreifenDu blätterst durch alte Alben
Durchleuchtest damalige Erinnerungen
Spulst zurück und wieder vor
Wiederholst nur das Beste

Wenn du am Ende angekommen bist
Beginnst du wieder von vorn
Weil es dir so gefallen hat
Weil du nicht genug bekommen kannst

Du genießt die Momente
Wirst voll eins mit ihnen
Grenzen verschwinden
Rückblicke scheinen real und unmittelbar

Erst als die Ohren klingeln
Die Schuhe beben und die Hände frieren
Holt dich die Realität zurück
Und du blickst begierig zurück
Zu deinem Album
Was sich bereits erneut mit Neuem füllt
Beständig immerzu

Gedichte
12. Dezember 2011

Keine Verbindung

Kein AnschlussDas Telefon klingelt
Durchdringend
Fordernd
Doch ich nehme nicht ab
Bin nicht mehr erreichbar
Jede Wahl führt ins Aus
Jede Wahl lässt dich zweifeln
Mit jedem Ruf
Ein wenig mehr
Du suchst Antworten
Doch es wird keiner antworten
Die letzte Verbindung getrennt
Kein Anschluss mehr unter dieser Nummer
Für immer besetzt
Kein freies Zeichen mehr
Nur noch quälendes Piepen
Es tut mir Leid
Auf nimmer wieder hören

Gedichte
5. Dezember 2011

Gedankenstoß

BillardFasern rieseln herab
Verklumpen zu Steinen
Die gegen Fenster geschleudert
Augenblicke zerstören
Die Stille der Gedanken lärmen

Wiesen verdorren im Regen
Der schließenden Sonne
Saugen dabei das Blut aus den Adern
Hinein in eine rote Orange
Welche mit einem Bissen versenkt wird

Das ganze ins Rolle bringt
Was zerstreut in allen Weiten
Nun an einer Stelle versammelt wird
Und als Gedankengang zu Papier kugelt
Mich das Spiel gewinnen lässt
Vielen Dank

Geschichten
27. Dezember 2010

Der Schnitt

SchnittHallo Maren,

eigentlich wollte ich dir nie wieder schreiben. Du hast mich richtig enttäuscht. Ich war niedergeschlagen, als ich bemerkt habe, wie du wirklich bist. Ich konnte kaum mehr schlafen. Immer kreisten die Gedanken um dich. Du hast mich eingenommen. Ich konnte nicht mehr anders. Ich war zu schwach? Du hast mich ausgezehrt, wie ein Parasit seinen Wirt. Ein Parasit, der entweder am Ende als Gewinner über seinen Wirt dasteht oder rechtzeitig abgeschüttelt werden kann, bevor er vollkommen vereinnahmt und das letzte lebendige aussaugt. Beinahe hättest du gewonnen. Ich war am Ende. Du hast mir nicht gut getan. Vielleicht war dir das nicht bewusst? Vielleicht war deshalb mein Schnitt für dich unverständlich? Aber ich musste handeln ehe sich deine Ranken sich noch hätten weiter in mich hineinbohren können. Du hast es vielleicht nicht absichtlich gemacht. Du brauchtest vielleicht nur Nahrung? Und ich war eine leichte Quelle. Anfangs habe ich es sogar genossen. Aber da war es noch eher eine Partnerschaft. Ein Geben und ein Nehmen. Am Ende hast du nur noch genommen, aber nichts mehr gegeben. Ich sollte alles für dich tun. Aber für mich? Für mich warst du nicht mehr da, weil du nur noch mit dir beschäftigt warst. Mit deiner kleinen Welt. Ich entschuldige. Großen Welt. Du wolltest hoch hinaus. In den Himmel wachsen. Karriere hier, Karriere da. Aber wo war ich? Ich sollte dir nur den Rücken freihalten. Dir Stabilität geben. Dafür war ich da. Mehr war da doch nicht mehr. All das Schöne, was uns verbunden hat, ist abgestorben mir der Zeit. Auch wenn es schade ist. Und auch wenn du jetzt nicht mehr weiter weißt. Ich kann nicht anders reagieren, als dich jetzt abzuschütteln. Ich muss auch an mich mal denken. Sonst gehe ich irgendwann zu Grunde. Wegen dir. Es tut mir leid. Ich hätte dir eher Bescheid sagen können. Das muss ich zugeben, aber ich war zu schwach. Zu verblendet von der Sonne am Himmel. Von dir. Vielleicht hätten wir dann noch einen Kompromiss finden können. So, dass wir beide hätten miteinander leben können. Nun ist es zu spät. Lebe wohl.

Max

Gedichte
20. Dezember 2010

Tauben

TaubenIch esse gerne Tauben
Sie schmecken so gut
Geben keine Widerworte,
Wenn ich sie mir schenkelweise einverleibe

Ich esse gerne Tauben
Weil ich frei bin
Weil ich es mir leisten kann
Jeden Tag ein ganzes Dutzend

Ich esse gerne Tauben
Weil nicht jeder gerne Tauben isst
Weil mir ein Hähnchen zu gewöhnlich ist
Weil es mir schmeckt

Deswegen esse ich gerne Tauben
Und nur deswegen alleine
Esse ich Tauben so gerne
Denn Tauben sind toll