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Juni
Gedichte
20. Juni 2011

Taxi

TaxiDu hast ein Taxi gerufen
1-3-7-7-8-9
Hast keine Lust mehr
Willst weg von ihr
Zurück nach Haus
In die Gertrudenstraße
Nummer 9 – 2 Etage
Linke Tür – Rechtes Zimmer
Abschalten, Abnicken
Schlafen
Den Abend vergessen

Das Warten wird zur Geduldprobe
Die Fahrt zu Tortur
10 rote Ampeln
5 Autos vorn
24,90 € weg
Doch es war es dir wert
Nur noch den Schlüssel ziehen
Die Treppen hinauf
Ab ins Bett
Gute Nacht

Gedichte
13. Juni 2011

Gedankenflug

KnospeGedanken gleiten dahin
Als wenn sie flögen
Von hoch her
Ins tief herab
Erst in weiter Fern
Dann fast greifbar

Manche Gedanken bleiben
Verkleben sich fest immerzu
Andere fliegen wieder fort
Beim nächsten Windstoß
Sind sie fort geschwind

Manche sitzen so fest
Dass sie kaum mehr lösbar
So lange verbleiben
Bis sie vom Unwetter
In einem Meer an Regen und Wind
Endgültig weg gespült werden
Und verschwinden

Gedichte
6. Juni 2011

Neu

BaggerStraßen werden gekehrt
Überreste abgerissen
Alter Schutt an die Ränder gesäumt
Schlussendlich weggetragen

Schilder werden ausgetauscht
Adressen geändert
Althergebrachte Wege zu Sackgassen
Altes durch Neues ersetzt

Wer stehen bleibt,
Sich staunend umblickt
Wird mit geräumt
Um das neu Bauen nicht zu stören

Irgendwann ist alles erneuert
Nichts Sichtbares erinnert ans Vorherige
Nur Erinnerungen verbleiben
Die laufend jedoch ebenfalls verblassen
Nur mit Mühe konserviert werden können
Sonst unumkehrbar und unwiderruflich
Durch die neuen Eindrücke ersetzt werden
Ohne Rücksicht auf Verluste

Geschichten
29. Juni 2010

Ich beobachte dich

Liebe Maren,

ich sehe was, was auch du siehst. Hast du damit etwa nicht gerechnet? Dass wir das altbekannte Spiel in neuer Fassung spielen. Habe ich dir das nicht erzählt? Du musst es doch bemerkt haben. Ich beobachte dich und wenn ich keine Zeit habe, beobachtet dich Ludwig. Ludwig ist nur sein Deckname. Eigentlich heißt er Christian, aber Ludwig klingt seiner Meinung nach altertümlich und wirkt grotesk zu seiner Technikaffinität. Ludwig hat nämlich die neuste Technik, um dich zu observieren. Wanzen, Schallmikrofone und viel viel mehr . Das ganze Programm eben. Mir ist das nicht geheuer, ich verlasse mich lieber auf meine 5 Sinne. So ist man unabhängiger und kann schneller fliehen, aber jedem das seine, oder denkst du nicht?

FernglasWarum ich dir das alles schreibe? Ich möchte ein neues Spiel spielen. Das alte wird mir langweilig. Du hast richtig gehört und nein, ich habe nicht zu viel Saw geguckt oder vielleicht doch? Man, weiß es nicht. Na gut, ich gebe es ja zu. Ich hab gestern die ersten beiden Teile gesehen. Aber deswegen will ich nicht mit dir spielen. Nein, möchte ich nicht. Ich spiele halt gerne und du ja auch, wie ich gesehen habe. Deswegen wollte ich dich fragen, ob du dazu Lust hättest? Diesmal ohne Ludwig. Keine Sorge, er existiert gar nicht. Ich hab ihn erfunden, um den Anfang spannender erzählen zu können und ich hoffe es hat funktioniert. Wenn nein, ist es ja auch nicht so schlimm.

Wo waren wir stehen geblieben. Ich weiß es wieder. Gut, dass ich alles nachlesen kann, sonst wäre ich aufgeschmissen gewesen. Also, ich möchte ein neues Spiel spielen und zwar diesmal Blindes Pferd. Du hast richtig gelesen. Keine Blinde Kuh, sondern blindes Pferd. Du bist doch so ein Pferdenarr und Blinde Kuh an sich ist mir zu langweilig. Ich variiere gerne und bringe etwas Pepp ins Spiel. Zu viel möchte ich natürlich nicht verraten, sonst wird es zu schnell langweilig. Wenn du Lust hast, antworte mir einfach mit „Ja“ oder Ludwig wird es abhören, wenn du, nachdem du das gelesen hast, 3-mal „Ja“ rufst. Obwohl. Schreibe mir lieber zurück. Ich würde mich freuen und denke daran:

Ich beobachte dich
Christian

Gedichte
22. Juni 2010

Traum

TraumUnscharf
Konturen verwischen
Welt gesäumt in Dunkelheit
Licht in weiter Ferne

Geräusche hier
Geräusche da
Nicht wirklich laut
Aber doch wahrnehmbar

Eine Welt zum Träumen
Gedanken schweifen zu lassen
Nichts hält auf und begrenzt
Außer der eigene Horizont

Ich fühle mich frei
Wie an einem Ort
Als wenn ich fliegen könnte
Alles überspannen könnte
Und keine Grenzen mehr kenne

Erst, wenn die Sonne wieder wacht
Und die Hektik des Tages erwacht
Endet die Gedankenreise
Doch nur fürs Erste
Bis zur nächsten Nacht

Gedichte
15. Juni 2010

Erdbeben

ErdspaltEs bebt gewaltig
Alles erschüttert
Fassaden erhalten Risse
Häuser sacken in sich zusammen
Alles gerät ins Wanken

Der Boden öffnet sein Maul
Er ist hungrig
Leer den ganzen Teller
Er lässt keine Reste
Es scheint ihm zu schmecken

Ich möchte fliehen
Möchte nicht als Mahl enden
Nicht im Erdboden versinken
Doch ich finde keinen Halt
Keine Stabilität
Wie auch?
Wenn alles wackelt