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März
No One Night Kill
26. März 2012

Die rote Bluse – Ein Tagebucheintrag zu „No One Night Kill“

Bei “Die rote Bluse” handelt es sich um einen Tagebucheintrag der Protagonistin Bernadette, der Ereignisse, die vor dem ersten Teil der Fortsetzungsgeschichte D mit dem Arbeitstitel “No One Night Kill” passiert sind, beleuchtet.

Liebes Tagebuch, liebe Leser,

Bowlingkugelnich habe lange überlegt, ob ich dir schreiben soll. Ob ich dir erzählen soll, warum meine Bluse von Rotwein durchtränkt wurde. Wie es dazu gekommen ist? Erst dachte ich mir, dass es vielleicht langweilig ist. Wer ist nicht mal tollpatschig? Ich kenne kaum jemanden, der es nicht ist. Es kommt eher auf die Häufigkeit an. Manche sind es weniger, manche häufiger. Aber Tollpatschigkeit an sich ist kein einmaliges Charaktermerkmal. Also wieso erzähle ich davon? Ich erzähle es, damit du oder besser gesagt ihr mich besser versteht. Damit ihr einschätzen könnt, warum ich das und das mache. Damit ihr wisst, was ich in dem Moment gedacht habe und damit ihr euch besser in mich hinein versetzen könnt. Die Beschreibung, wie es dazu gekommen ist, ist also nur Mittel zum Zweck und nicht der Zweck oder gar das Ziel, die Intention, die ich hiermit verfolge. Ich glaube, dann würde das hier niemand lesen. Wieso auch? Wenn es lustig ist, vielleicht schon. Aber nicht jeder kann über sich selbst lachen. Meine beste Freundin kann das, mein Vater oder auch mein Chef. Aber ich nicht. Ich kann es nicht. Selbstironisch bin ich schon gar nicht. Mir ist alles eher unangenehm, was meine Person betrifft. Zumindest Störungen im alltäglichen Betriebsablauf, der sich Leben nennt. Dann werde ich manchmal ziemlich unsicher und kriege rote Wangen. Sozusagen ein Signal an meine Umwelt: Achtung – Peinlichkeitsalarm. In solchen Momenten würde ich am liebsten verschwinden. In den Boden versinken. Aber leider wurde so etwas noch nicht erfunden. Weswegen ich entweder warte bis meinen Wangen wieder eine normale Farbe annehmen oder ich einfach das Weite suche. Heißt also, dass ich einen ganz wichtigen Termin vergessen habe und deswegen ganz schnell weg muss. Ich denke, viele, die mich besser kennen, haben so etwas schon gedacht. Nicht wahr? Und für alle anderen. Nein, ich bin nicht zehnmal im Monat beim Arzt, bin in keinem Fanclub und habe schon gar nicht vergessen, den Napf meines Hundes zu füllen. Ich habe gar keinen Hund. Geschockt?

Ich hoffe nicht und wenn doch, Entschuldigung. Es tut mir leid. Aber was würdet ihr machen? Ach, ihr werdet ja nicht so schnell verlegen. Aber Manchmal hat mein Peinlichkeitsalarm aber auch etwas Praktisches. Manche lassen mich in Ruhe, weil sie sehen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das ist manchmal nützlich, andere wiederum bohren, fragen nach, was denn los sei. Ob mir etwas unangenehm sei? Ja ist es. Jetzt wisst ihr es. Fragt nicht mehr so scheinheilig und lasst mich ab sofort damit in Ruhe. Verstanden? Wenn nicht, dann werde ich wohl weiter rot werden, ihr werdet mich nerven, ich werde nichts sagen, weil ich mit anderen Gedanken beschäftigt bin. Manchmal ist es ziemlich nervig. Dass meine Wangen erröten. Dass ich dann nichts sagen kann. Ich hasse diese Momente. Einen Moment, wie letzten Freitag. Wir waren bowlen. Wir, das heißt Christina, meine beste Freundin, Jannes, ihr Freund, Kathrin, eine weitere Freundin und Paul. Ich bin nicht sonderlich gut darin. Ich bin nur mitgekommen, weil Paul und Jannes mal wieder bowlen wollten und ich kein Spielverderber sein wollte. Aber von mir aus hätten wir auch was anderes machen können. Aber gut. Der Abend fing ganz locker an. Jannes warf ein paar Strikes. Wie immer. Er räumt einfach alles ab. Vielleicht macht mir Bowlen deswegen auch keinen Spaß. Jannes gewinnt immer. Dagegen habe ich keine Chance. Aber der Abend war trotzdem schön. Wir haben viel gelacht, geflucht, getrunken, gegessen und Paul auch geraucht. Ich rauche selber nicht. Als die obligatorische Siegerehrung bevorstand und Jannes zum Sieger gekürt wurde, passierte mir etwas Peinliches. Ich habe nicht damit gerechnet. Als ich Jannes gratulieren wurde, fiel ich um. Einfach so oder auch nicht. Ich weiß es nicht. Mir wurde schwarz vor Augen. Das Licht ging aus. Ende. Wieso ich umkippte, war mir nicht ganz klar. War ich gestolpert oder wirkte der Alkohol? Weiter lesen »

Gedichte
19. März 2012

Überfallen

FingerabbruckIch schweige
Mein Mund verschlossen
Kaum mehr geöffnet
Verkanntet

Meine Gedanken demoliert
Die Konzentration gestohlen
Der Kopf leer geräumt
Vollkommen

Nichts mehr ist so wie vorher
Alltägliches ist anders
Unbestimmt und unerwartet
Seitdem es passiert ist

Seitdem ich überfallen wurde
Du mich entführt hast
Mir die Sinne beraubt hast
Und mein Herz gestohlen hast

Du Dieb

Gedichte
12. März 2012

Untergang

SireneDie gleitende Sonne flieht
Vor den dunklen Schatten
Welche überall lauern

Vögel beginnen zu schweigen
Den schrillenden Sirenen zu weichen
Die durch die Straßen zu fliegen scheinen

Menschen stürzen zu Boden
Aus Angst vor der Kälte
Den wehenden Kugeln

Spannung liegt in der Luft
Die schließlich in einen lauten Knall mündet
Und alle Gefahren mit sich reißt

Geschichten
28. März 2011

Überraschung

Erdbeerkuchen Es war ihr Geburtstag. Doch was heuer geschah – damit hätte sie an diesem Tag nicht gerechnet. Sie hätte mit fast allem gerechnet, sogar mit einem Besuch von Tante Claudia aus Südafrika oder einer leckeren riesengroßen Torte, aber das war zu viel für sie. Da stand er nun. Verschwitzt. Schnaufend. Sollte das die Überraschung sein? Ihr Exfreund? Irgendwie gefiel ihr die Überraschung nicht. Das einzige was ihr gefiel war, dass er ein Kuchenmesser mit sich trug. Wenigstens hatte sie jetzt ein Messer zum Torte schneiden. Aber keine Torte. Wenn doch einer der Gäste eine Torte mitbrächte. Eine Erdbeertorte vielleicht. Sie hatten doch so was angedeutet und nun. Für jeden würde es ein leckeres Stück geben. Innerlich sah sie sich schon dabei, wie sie für jeden der 15 Gäste ein Stück Torte abschneidet. Fein säuberlich würde sie jedem eins geben und dann Sekt einschütten. Ja, das würde sie machen. Wenn denn nun Gäste schon anwesend wären oder zumindest eine Torte in der Küche stände. Dann könnte sie schon etwas vorbereiten.

Aber was sollte sie mit ihrem Exfreund? Sie hasste ihn und sie hasste Überraschungen. Und sie hasste ihr Leben manchmal. Eigentlich hasste sie weder Überraschungen, noch ihr Leben. Eigentlich war sie zufrieden, nur in solchen Situationen fühlte sie sich verlassen. Sie fluchte. Warum musste er überhaupt kommen? Warum geht er nicht wieder? Doch ihr Exfreund machte keine Anstalten wieder zu gehen, sondern blieb fest angewurzelt vor der Tür stehen. So als wenn er auf etwas zu warten schien. Vielleicht auf die Torte, die er mit seinem Messer schneiden sollte? Die Torte, die sie gerade sehnlichst herbeisehnte, um ihren Frust wegzuessen. Die Torte, die sie nicht hatte. Sie seufzte. Hatte man sie vergessen? Es war schon halb 10 und außer ihm war noch keiner da. Sie hasste ihre Freunde, aber noch mehr noch verfluchte sie ihren Ex – und ihr Leben. Ihr war langweilig. Ihr Geburtstag ein regelrechter Flopp. Sie hatte sich so gefreut und jetzt war ihr Tag fast zu Ende. Nichts war passiert. Könnte ihr Exfreund nicht wenigstens ein durchgedrehter Killer sein? Dann wäre sie zwar in Lebensgefahr und auf der Flucht, aber zumindest wäre es spannend – sowie in ihrem Lieblingsfilm. Das hätte etwas gehabt und Pepp in den Tag gebracht. Aber ihr Exfreund war ein Langweiler. Deshalb hatte sie ihn auch verlassen. Er hatte das Messer zum Kuchenschneiden mit sich und nicht, um sie zu erdrosseln. Vielleicht auch besser so.

Mittlerweile waren weitere fünf Minuten verstrichen. Es war immer noch niemand gekommen und ihr Ex war wieder vergangen. Hat wohl bemerkt, dass er fehl am Platz war und einfach störte. Doch jetzt war sie ganz allein – an ihrem Geburtstag. Und hat nicht mal mehr ein Kuchenmesser. Scheiß Geburtstag. Was sollte sie nur machen? Der Tag war gelaufen. Genervt begab sie sich in ihr Wohnzimmer und überlegte weiter, was sie tun sollte. Vielleicht kommen ja noch welche, dachte sie sich und schaute gelangweilt in den Fernseher. Nicht mal mehr ihr Lieblingsfilm erfreute sie noch. Plötzlich schellte es wieder. War ihr Exfreund zurückgekommen? Vielleicht mit einer Torte oder noch besser: die anderen Gäste – ohne ihren Exfreund, mit Kuchenmesser und Torte. Ja, das wäre es gewesen. Doch als sie zur Tür eilte und erwartungsfroh öffnete, war da nichts. Nicht mal ihr Exfreund. Nur Wind wehte in ihr Gesicht. Hatte man mit ihr noch Klingelstreiche gespielt? Was sollte das? Sie ging wenige Meter aus dem Türrahmen, um sich vergewissern, ob nicht vielleicht doch noch jemand – ernsthaft – gekommen war. Doch sie erblickte niemanden. Sie seufzte erneut und machte sich wieder auf dem Weg in ihren Sessel. Als sie es sich gerade wieder bequem gemacht hatte, schellte es abermals. Sie überlegte, ob sie überhaupt zur Tür gehen sollte. War es wieder ein Streich? Darauf hatte sie einfach keine Lust mehr. Sie war zu traurig. Zu frustriert. Sie war einfach alles. Als sie nach langem hin und her doch noch zur Tür aufraffen konnte, stand diese bereits offen. Sie bekam Angst. Ist jemand eingebrochen? Wollte ihr jemand etwas Böses? Sie atmetete tief durch und vergewisserte sich abermals, dass niemand außer ihr draußen und im Flur war. Sie konnte niemanden entdecken und schnaufte tief durch.

Geburtstag Doch sie vergaß das Wohnzimmer. Erst als Schreie ihrer besten Freundin aus diesem hallten, eilte sie in dieses. Jedoch war es bereits zu spät. Ihre Freundin lag blutverschmiert und leblos auf dem weißen Teppich, der sich durch das spritzende Blut mittlerweile rot gefärbt hatte. Ihr Exfreund stand grinsend vor dem Fernseher, in dem ironischerweise just auch in ihrem Lieblingsfilm jemand getötet wurde. Sie war geschockt und konnte sich nicht bewegen. Blieb wie ihr ehemaliger Freund eine Stunde zuvor wie ein Baum im Wald fest angewurzelt stehen. Sie wollte fliehen, aber sie konnte nicht. Sie war gelähmt. Sie war traurig, aber konnte nicht weinen. Ihre Augen starr vor Schock. Jetzt hasste sie ihren Geburtstag noch mehr. Sie könnte ihn nie wieder genießen, weil es jetzt immer der Todestag ihrer besten Freundin war. Vielleicht auch gleich ihrer. Dann wäre wenigstens das egal. Sie wollte etwas Spannung, aber nicht so. Ihre Gedanken zuvor waren doch nur wilde Fantasie. Hatte ihr Exfreund ihre Gedanken gelesen und in die Tat umgesetzt? Sie war verzweifelt.

Auf einmal kamen ihre anderen Freunde hervor gekrochen. Sie hatten sich zuvor versteckt. “Überraschung” riefen die Gäste und lachten ihr zu, doch ihr war keineswegs zum Lachen zu Mute. Sie fühlte sich eher wie in einem schlechten Film. Sie konnte nicht mehr denken, nichts mehr fühlen. Erst als ihre beste Freundin wieder aufstand, als wenn nichts passiert wäre, wurde ihr klar, dass alles nur ein Schauspiel und dies die Überraschung war, und konnte wieder lachen. „Danke für diese ungewöhnliche Überraschung“ Langsam begann sie sie das kurzweilige Ereignis zu genießen und erfreute sich, dass sich ihre Freunde so viele Gedanken gemacht haben, um diesen Tag für immer unvergesslich und außergewöhnlich werden zu lassen. Ihre Freunde wussten einfach, wie sehr sie auf Nervenkitzel stand und wie sehr sie diesen Film liebte. „Besser als in Hollywood. Danke. Aber den Teppich bezahlt ihr mir.“ Alle lachten.

Gedichte
21. März 2011

Sonnenfinsternis

SonnenfinsternisIch sehe nichts mehr
So sehr ich die Augen auch aufreiße
So sehr ich mich auch anstrenge
Das verlorene wieder zu finden
Licht ins Dunkle zu bringen
Es ist finster

Der Tage verdunkelt
Ein Meer von Schwarz
Immer gleich
Farben des Lebens ausgelöscht
Verschattet

Mir ist kalt
Ich friere an einem Sommertag
Obwohl die Sonne meilenweit scheint
Doch vermisse ich sie
Sie ist nicht greifbar
Nicht sehbar
Alles ist schwarz

Ich habe Angst
Ich fürchte mich im Dunkeln
Möchte lieber wieder ins Helle
Mit einem Lächeln angestrahlt
Einfach gewärmt werden
Doch alles ist schwarz
Ich bin ratlos