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September
Vollbremsung
26. September 2011

Vollbremsung

Vollbremsung ist der erste Teil einer neuen Fortsetzungsgeschichte mit dem Arbeitstitel “Vollbremsung”.
BremseEine Woche war vergangen. Eine unruhige Woche. Es ist viel passiert in der Zeit. Schöne Dinge, aber auch umso mehr unschöne Dinge. Eigentlich hauptsächlich unschöne Dinge. Wäre das Leben eine Waage würde es gewiss schief stehen und mich beziehungsweise uns nach unten drücken. Es wäre erdrückend. Zum Glück ist es das nicht. Wie sollte ich sonst mein Leben so schnell wieder ins Gleichgewicht bringen? Ich wäre echt überfragt. Nun gut. Vor nicht allzu langer Zeit war alles in Ordnung. Mein neuer Job war eine Wohltat. Meine Freundin eine Wonne. Und unsere neue Wohnung ein Traum. Es lief alles zu perfekt, wenn man es genau nimmt. Irgendwo musste doch ein Haken sein. Es stimmte einfach alles ausnahmslos. Wenn man die Zeit rückblickend betrachtet, war ich einfach blind. Wie konnte es passieren, dass ich nun vor den Scherben meiner Existenz stehe und nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Wie konnte ich so erblinden? Obwohl mir Anfang des Monats noch glasklare Sicht bescheinigt wurde. Nicht nur von einem Augenarzt. Auch mein Chef lobte mich für meinen Einsatz und versprach mir eine baldige Extraentlohnung für mein Engagement. Von meiner Freundin brauche ich gar nicht erzählen. Wir schwebten auf Wolke 7 schwerelos durch unsere neue Wohnung. Nichts schien uns zu stoppen. Nichts schien mich auf meiner Erfolgsspur zu bremsen.

So dachte ich bis Montag. Als ein bisher unbekanntes Geschwindigkeitsbegrenzungsschild in meinem Leben aufgestellt wurde. Vorher galt nur der Grundsatz. Schneller, weiter und besser. Und nun sollte ich abbremsen. Kürzer treten. Alles langsamer angehen. Meine Firma wurde neu organisiert und mir wurde die Kündigung eingereicht. Bald werde ich arbeitslos sein. Ich, der noch vor kurzem, eigentlich bis Ende der davorliegenden Woche, die Sternschnuppe in meiner Firma war. Und würde es nach meinen Chef gehen, würde mein Weg weiter nach oben führen und ich würde weiter strahlen. Doch leider hat mein Chef nicht wirklich viel zu sagen. Zumindest, wenn es um die grundsätzliche Ausrichtung der Firma geht, muss mein Chef sich den Vorgaben der Muttergesellschaft beugen und die lautet Dezentralisierung. Ich will gar nicht näher darauf eingehen – nur auf das Ergebnis der „Umstrukturierung der Arbeitsorganisation“ : Kündigung. Ich werde nicht mehr gebraucht. Aber das ist leider nicht alles. Es wäre an für sich schon schlimm genug, aber das Leben würde ja weiter gehen. Vielleicht nicht in Höchstgeschwindigkeit wie bisher, aber es würde. Seitdem ich von der bevorstehenden Kündigung weiß und es meiner Freundin berichtet habe, streiten wir uns noch. Sie kann mich nicht verstehen. Dass mein Selbstbewusstsein zerschmettert wurde und die Kündigung einen gehörigen Angriff auf mein Ego darstellt, den ich zu verliere drohe. Ich soll mich nicht so haben. Ich werde schon was Neues bald finden. Vielleicht sogar etwas Besseres. Sie hat leicht reden. Sie hat ihre Stelle noch und kann weiter rasen. Ich jedoch wurde gebremst und wenn es so weiter mit uns geht, gleicht der Ablauf meines Lebens einer Vollbremsung. Es scheint nicht mehr weiter zu gehen. Der Tag auf der Arbeit plätschert so vor sich hin, seitdem ich davon weiß und der Tag zu Hause scheint auch nicht zu Ende zu gehen. Ich freue mich so sehr auf mein Bett, um weiter vom bisherigen – perfekten – Leben zu träumen. Verdammt. Ich will sie doch nicht auch noch verlieren. Sie ist so wunderbar. Ich liebe sie. Wenn es jedoch so weitergeht, wird auch mein Privatleben neu organisiert und das heißt „Trennung im Einvernehmen“. Das will ich einfach nicht, aber ich sehe es kommen. Eine Anweisung von ganz oben. Nicht aus der Zentrale in Los Angeles, sondern vom Schicksal, dass die Rendite steigen und neue Wege gehen will. Ob eine Kündigung nicht schon genug wäre, aber das scheint niemanden zu interessieren, erst recht nicht meine Freundin und meinen besten Freund sowieso nicht. Er hat kaum noch Zeit, seitdem er befördert wurde. Auch er meint, dass ich gelassen bleiben soll.

„Easy Going“. Wie ich das hasse. Ich will nicht gehen. Nicht, nachdem ich zuvor immer schnell durchs Leben gefahren bin. Ach egal. Wie soll ich nur gelassen bleiben können? Mein neues Auto bezahlt sich nicht von alleine und auch die geplante Reise muss storniert werden. Aber vielleicht hat er auf eine Art Recht. Wenn man zu schnell durch die Gegend fährt, verpasst man das Wesentliche. Er könne mir das Auto abkaufen. Dann würde ich erstmals keine Geldsorgen haben. Die habe ich zurzeit noch nicht, da ich gut abgefunden wurde. Aber ewig wird das auch nicht langen. Ich muss schnell etwas Neues finden. Und damit mein ich keine neue Freundin. Ein neuer Job muss her. Allein des Selbstbewusstseins wegen. Und nicht primär des Geldes – zumindest nicht jetzt sofort. Aber mich versteht ja keiner. Wieso sollte auch? Alle leben ihr Leben in der gewohnten Geschwindigkeit weiter. Nur ich nicht. Ich komme nicht hinterher. Es zieht sich alles so. Wäre vielleicht ein kompletter Neuanfang am besten? Ein Umstieg vom Flitzer zum Drahtesel? Zum bescheideneren Leben? Ich weiß es nicht. Zurzeit weiß ich kaum was. Nur, dass sich das Verhältnis im Leben wieder ändern muss. Und wenn ich dazu neue Wege gehen muss und durch die Umstrukturierung des Lebens die Belegschaft vielleicht ausgetauscht werden muss. Ich will es nicht, aber vielleicht habe ich keine andere Wahl? Wer weiß.

wird fortgesetzt

  • Teil 1: “Vollbremsung”
Gedichte
19. September 2011

Meeresatmen

MeerIch atmete tief durch
Eine sanfte Brise weht
Die immer stärker wird
Bis diese Wassermaßen auf sich türmt
Alles mit sich reißt

Ich beginne zu schaukeln
Der Blick schwankt
Was vorher klar war
Verkommt zu einem unbestimmten Brausen
Horizont flieht
Augen drehen durch
Versuchen zu fixieren

Doch es gelingt nicht
Die Gedanken kreiseln wild umher
Kugeln von der einen Ecke
In die nächste
Hin und her
Zurück und vor
Im Takt der Wellen

Erst als der Wind wieder langsam abflaut
Wird der Wellengang wieder ruhiger
Kehrt wieder Ruhe ein
Wird die Sicht wieder klar
Ehe es erneut zu stürmen beginnt
Und sich ein neues Abenteuer anbahnt

Gedichte
12. September 2011

Spinne

Spinne ich?
Was ist nur los?
Alles dreht sich
Ich taumele umher
Wanke im Atmen

Nichts scheint klar
Nichts ist fest
Wo ist das hier?
Wo das dort?
Und wo ich?

Ich falle
Stürze in die Tiefe
Kann mich nicht halten
Warum fängt mich niemand?
Rettet mich?

Gedichte
5. September 2011

Stadt

StadtGrundstücke verpachtet
Grundstücke verkauft
Häuser verlassen
Andere bewohnt
Tagtäglich genutzt

Neue Gründe werden gelegt
Steine aufeinander gestapelt
Bis diese den Himmel streifen
Weitwärts empor strahlen
Altes meilenweit überragen

Irgendwann staut der Platz
Konkurriert ein Steinmeer
Um den verbleibenden Himmelsraum
Dem scheinen Weg zu den Sternen
Im Dunst des Alltäglichen

Verlierer werden dabei gegenzügig abgerissen
Schnell und schonungslos
Damit Neues weiter wachsen kann
Alles befindet sich im Wandel
In der Stadt, die sich Leben nennt
Meine Stadt

Vertigo
27. September 2010

Wiese und Nichtwissen

“Wiese und Nichtwissen” ist der fünfte Teil der Fortsetzungsgeschichte A mit dem Arbeitstitel “Vertigo”.
Wiese mit Nebel

[Fortsetzung von Champion der Champignons]

Er sah sich um, dann drehte er sich, hielt inne. Etwas stimmte nicht. Aber er wusste nicht, was und er wusste nicht wieso. Doch es gefiel ihm nicht, was er sah. Hier war er noch nie gewesen und hatte daher keinen Vergleich, aber er wusste, dass etwas nicht an seinem richtigen Ort, an seiner Bestimmung, war. Es war ein heller sonnendurchfluteter Tag, doch innerlich lag ein dichter schleiernder Nebel auf seinen Gedanken. Wie war er nur ihr hin geworden? Ist er falscher Orts aus dem gerade abgefahrenen Bus ausgestiegen? Und was stimmte nicht? War etwas Gravierendes? Etwas, das es zu klären galt, bevor es zu spät ist? Er hatte keine Ahnung und dachte an die letzten Stunden, in denen er genüsslich seine Pizza gegessen hatte, zurück. Es kam ihm vor, als wenn er sie gerade erst vertilgt hätte. Jedoch zeigte seine Uhr etwas anderes. Es waren 2 Stunden vergangen und seine Wohnung schien meilenweit entfernt – von dieser Wiese, auf der er sich jetzt befand und die von einem Wald links und rechts gesäumt, anderseits von einer Straße umschlossen wurde.

Eigentlich gab es nichts, was bedrohlich sein könnte. Hin und wieder sauste ein Auto vorbei, den überwiegenden Teil hörte er ein leises Zirpen, Rascheln und Summen. Idyllisch. Ungefährlich. Eigentlich. Denn genau diese Tatsache und die, dass er keine Erklärung für seine Reise wusste, beunruhigten ihn. Er fühlte sich im falschen Film. Es ergab alles keinen Sinn. So, als wenn wichtige Fragmente seines Lebens – die letzten Stunden – einfach ohne Rücksicht auf Kontinuität aus dem Film geschnitten wurden. Aber wer sollte der Schuldige sein? Einen über alles stehenden Regisseur gab es nicht. Wer sollte das auch sein? Eine außerirdische Instanz, Gott? Er lachte. Wenn kam nur er persönlich in Frage. Aber wenn er selbst der Auftraggeber für diesen Schritt gewesen wäre, wüsste er doch davon. Es war verwirrend und eine Lösung war nicht in Sicht. Jemand zu fragen unmöglich. Wie sollte ihm schon ein ortsfremdes oder ein ausländisches Auto helfen können. Wie überhaupt jemand? Wie würden sie reagieren, wenn er sie befragen würde und was würden sie antworten. Nichts, das weiterhelfen könnte, befand er. Für sie wäre er nur ein Verrückter und die Wiese eine Wiese. Kein unheimlicher Ort. Er seufze und traute sich kaum an den Fortgang des Filmes oder – um es mit den Worten der letzten Stunden zu sagen – der Geschichte zu denken. Aufgeben, das wusste er, kam keinesfalls in Frage und er strengte sich an, die letzten Stunden zu resümieren, um endlich eine alles entscheidende Antwort zu erhalten. Der letzte Gedanken, den er vor den der Wiese hatte, war, dass er in den Bus gestiegen war und er die Augen geschlossen hatte. Das nächste, woran er sich erinnern konnte, war, dass er auf dieser Wiese in der Sonne stand und ein Bus gerade wegfuhr. Vielleicht war eingeschlafen und hat dann schlafgetrunken den Bus an der Endhaltestelle verlassen? Das wäre logisch, aber auch wieder nicht. Er setzte sich auf die flauschige Wiese und starte erneut in die Umgebung, dann verschränkte er die Arme, schaute ratlos gen Himmel, dann auf die Uhr. 16:38 und 3 Sekunden. 4, 5,6.

A5 – Fortsetzung – “Gedankenfresser”

Gedichte
20. September 2010

Fremde

HändeIch lausche
Höre genau hin
Hellhörig und Vollauf
Doch ich höre nichts mehr
Nichts mehr, was ich kenne
Nur Fremdes
Fremdes aus bekannten Gesichtern
Ich begreife nicht

Ich Vergleiche
Das Jetzige mit dem Damals
Versuche zu erkennen
Was früher kennzeichnend war
Und heute fehlt
Doch ich finde nichts vertrautes
Die Gesichter sind die gleichen
Hinter ihnen hat sich alles verwandelt
Sie sind Fassade und maskiert
Haben ihr Antlitz gewahrt
Aber ihren Kern verloren

Ich starre in die Ferne
Versuche die Nähe zurückholen
Doch die Zeit ist zu weit gefahren
Und ein Umkehren schier unmöglich
Wenn man den Weg nicht kennt
Und sich sonst nur verlaufen würde

Ich versuche es zu begreifen
Was passiert ist
Wie es dazu gekommen ist
Doch niemand versteht mich
Niemand kennt den Weg
Und ich verstehe sie nicht
Sie sind fremd