Leerer KartonHeute habe ich mir vorgenommen, etwas aufzuräumen. Alte Geschichten ad acta zu legen und Platz für neues zu machen. Etwas Ordnung schaffen im Gedankenchaos, das sich im Laufe der Zeit im Kopf ausgebreitet hat. Viel Arbeit wartet auf mich, doch irgendwann muss es mal getan werden, ehe sich immer mehr anhäuft und somit das Trennen von sinnvollen und sinnlosen Erinnerungen zu einem einzelnen Kraftakt wird. Wirklich motiviert bin ich trotzdem oder dennoch nicht. Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Danach geht es eigentlich wie von selbst. Doch dazu muss erst einmal die ganze Maschinerie in Gang gesetzt werden. Die Initialzündung gesetzt werden. Es müssten die Umzugskartons gefalten werden. Dann sortiert werden. Oder erst sortiert und dann gefalten. Oder gar nicht gefalten und ein anderer Aufbewahrungsort gesucht werden. Kein großes Problem, aber unmotiviert eine fast unmögliche Tat. Besonders, wenn so viele andere spannendere Dinge warten. Aber ich habe es mir vorgenommen und deswegen werde ich es heute durchziehen. Das werde ich und wenn nicht, habe ich es zumindest versucht. Der Wille zählt ja auch einiges.

Aber wo soll ich anfangen? Es wartet ein ganzer Berg auf mich. Postkarten aus dem letzten Urlaub, die ganzen Fotos, alte Rechnungen, Geschenke, Erinnerungen. Die Rechnungen können glaube ich sicher entsorgt werden, da die Garantiezeit abgelaufen ist und sie keine Bedeutung mehr haben. Aber wie soll ich den Rest bewerten? Foto Was ist z.B.: mit dem Pizzakarton, der vor etlichen Jahren als origineller Geldcouvert herhalten musste oder mit der Konzertdvd von der Band Orange, die ich früher vergöttert habe. Letztens habe ich sie mir nach längerer Zeit wieder angeschaut und konnte kaum noch nachvollziehen, was ich an Orange gefunden habe. Alleine die Zugabe des Konzertes holt noch das Lächeln vergangener Tage hervor. Der Rest langweilt mich einfach nur noch und ist schon vielmals da gewesen. Aber Zeiten ändern sich bekanntlich und Zeiten ändern Leute. Auch wenn es manchmal schade ist, wenn man früheren Favoriten nichts mehr abgewinnen kann und nur noch müde belächeln kann. Wie soll es weitergehen? Fürs Wegwerfen ist sie gewiss zu schade, da ein Haufen Erinnerungen an den Sommer hängen, indem ich Orange zum ersten und letzten Mal gesehen habe. Danach haben sie sich getrennt und ich hab mich in das, was mir von ihnen geblieben, geflüchtet – in diese DVD. Ich war echt verzweifelt damals. Eigentlich lächerlich, wenn man bedenkt, dass es nur eine – nicht mal besonders gute – Band war. Ich glaube, ich werde sie behalten. Ein Relikt an zu vergessen drohende Tage. Ja.

Der Brief von Magdalene kann jedoch weg. Wir haben keinen Kontakt mehr und jedes Mal, wenn ich diesen Abschiedsbrief lese, kommt alles wieder hoch. Besser weg damit, endgültig abschließen und dann den Schlüssel an einen geheimen Ort verstecken. Seufz. Das ist der Nachteil beim Aufräumen. Es kommen auch immer niederschmetternde Erinnerungen ans Licht und wenn nur kurz. Foto2 Ich brauche eine Pause und etwas zum Essen für neue Energie. Ich hätte Appetit auf Erdbeeren. Das war ihr Lieblingsessen. Im Sommer manchmal ihre einzige Mahlzeit. Sie liebte Erdbeeren und ich liebte sie. Doch jetzt ist sie fort. Weggegangen. Eine Geschichte ohne Happy-End. Ich denke, es ist besser aufzuhören für Heute, bevor noch weitere Wunden aufgerissen werden. Morgen ist ja auch noch ein Tag und etwas Distanz tut ganz gut. Ich packe alle Sachen wieder zusammen ins Regal und schalte den Fernseher an. Wenn schon kein Happy-End in der Realität, dann zumindest hier, denke ich mir und schaue gebannt den Film.

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